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18. Jšnner 2010

Jemenitische Perspektiven

Unzensierte Stimmen jemenitischer Frauen zu Al Kaida, Sicherheit und der weltweiten Medienaufmerksamkeit

Von Fahmia Al Fotih´ (SAVE Jemen)

Mit dem Beginn des neuen Jahres hat für den Jemen auch eine neue – und kritische – Ära begonnen. Fälle von gewalttätigem Extremismus sind besorgniserregend hoch angestiegen, die Medien hören nicht auf, darüber zu berichten. Der Jemen wird als Brutstätte des Terrorismus, als Al Kaida Basis, beschrieben und einige Medien haben das Land als „Afghanistan am Meer“ betitelt, das eine große Gefahr für die globale Sicherheit darstellt.

Leider hat die Welt nur die eine Seite der Geschichte in den meisten westlichen Medien gelesen. Nach dem vereitelten Anschlag auf den Northwest Airlines Flug 293 am Christtag wurde Umar Farouk unmittelbar mit den Extremisten im Jemen in Verbindung gebracht. Seit diesem Zeitpunkt haben sich die Beschuldigungen gegen den Jemen gehäuft, Botschaften haben aufgrund der drohenden Gefahr durch Al Kaida geschlossen.

JemenitInnen quer durch alle Gesellschaftsschichten verurteilen derartige gewalttätige Aktionen und verdammen die Täter, deren Anschläge das Image und die Reputation der gutherzigen Menschen des Jemen massiv beschädigen. Die Leute versuchen nun über die Kanäle der Neuen Medien wie zum Beispiel Facebook, Gruppen und Initiativen zu gründen, um in verschiedenen Sprachen klar zu stellen, dass nicht alle JemenitInnen Terroristen sind. Und FreundInnen aus aller Welt haben sich ihnen angeschlossen.
Facebook Gruppen unter Namen wie „Ich kenne jemanden aus dem Jemen und ich weiß, dass er/sie kein/e TerroristIn ist“ oder „JemenitInnen für Frieden und Stabilität“ wurden gegründet, um gegen Gewalt und Extremismus aufzutreten. Postings wie „Die Welt soll wissen, dass wir ein friedliches Land sind“, „Wir sind gegen Terrorismus“, oder „Terrorismus beschränkt sich weder auf eine Religion noch auf ein Land“ zeigen, dass besonders junge Leute versuchen, ihre Botschaft in die Welt hinaus zu tragen.

Doch trotz all dieser guten Intentionen vieler JemenitInnen, stellen Al Kaida und andere extremistische Gruppen eine laufende Bedrohung für internationale Organisationen dar, die für lange Zeit Teil des öffentlichen Lebens im Jemen waren. Angst und Sorge begleiten uns ständig.
Die jemenitischen Frauen haben Angst, dass ihre Ehemänner oder Kinder nicht sicher von Job oder Schule nach Hause kommen und Opfer von Anschlägen werden. Und Mütter fragen sich, was und ob sie in der Erziehung ihrer Kinder etwas falsch gemacht haben, wenn diese von teuflischen Organisationen wie Al Kaida rekrutiert werden.

Najla´a hat das Gefühl, als wäre die Al Kaida mittlerweile zu einer Art Akademie geworden, die Absolventen trainiert und produziert, die eine „Auszeichnung in Terrorismus“ haben. Jener 17jährige Attentäter, der sich in Shibam Hadramout selbst in die Luft gesprengt hat, wurde sicherlich nicht als Mörder und Terrorist geboren, gibt sie zu bedenken. Er war ein normales Kind, und sein Traum war es sicher nicht, ein Jihadi zu werden. Seine Eltern haben ihn nicht zu einem Terroristen erzogen, aber er war ein leichtes Opfer für Extremisten, die ihn davon überzeugt haben, dass das Töten von Unschuldigen und der Jihad der kürzeste Weg ins Paradies und in die Ewigkeit sind.
Naila´a ruft Eltern dazu auf, auf ihre Kinder aufzupassen, damit sie nicht Opfer von Terroristen und Mördern werden und sie ratet ihnen, Möglichkeiten zu finden, um die jungen Menschen vor extremistischen Ideologien zu bewahren. „Wann werden unsere Söhne – und vielleicht auch unsere Töchter – dazu auserwählt, in der Al Kaida Akademie ihren Abschluss zu machen?“, fragt sich Najla‘ a

Viele können nicht nachvollziehen, warum junge Menschen überhaupt auf die Idee kommen, Al Kaida Mitglieder zu werden. Der Jemen ist mit vielen Problemen konfrontiert, am meisten belasten Armut und Korruption das Land, und viele internationale Berichte sprechen von einem „gescheiterten Staat“ (failed state). Das trägt natürlich dazu bei, dass das Land als idealer Standort für Al Kaida und Terrorismus gesehen wird. Dennoch, die meisten JemenitInnen sind optimistisch und überzeugt, dass ihnen eine bessere Zukunft bevorsteht. „Auch wenn mein Heimatland weit davon entfernt ist, perfekt zu sein, werde ich niemals die Hoffnung aufgeben, dass es besser wird. Ich bin ein/e JemenitIn und ich bin kein/e TerroristIn“ – so lautet das Motto vieler hier.

 
 

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