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20. Jšnner 2010

Nadia al Saqqaf © FoG

Nadia al Saqqaf

Jemen: Interview mit Nadia Al Saqqaf

Saqqaf ist Herausgeberin der englischsprachigen Tagesezeitung Yemen Times und Mitglied von SAVE

Nadia Al Saqqaf ist international anerkannt und wurde für ihre journalistische Arbeit mit dem ersten Gebran Tueni Award für journalistische Integrität ausgezeichnet. Die Yemen Times zählt zu einem der wichtigsten Tageszeitungen im Jemen.
Frauen ohne Grenzen / SAVE interviewte Nadia al Sakkaf zur aktuellen Lage im Land.

Wie sehr beeinflussen gewalttätiger Extremismus und Terrorismus derzeit Ihr Leben?
Gar nicht. Es gibt im Jemen einen Trend hin zu fundamentalistischem Islam, also einer konservativen Auslegung der Religion, aber dieser Trend betrifft nicht das Volk. Der Jemen war immer ein Land, das mehr durch seine Kultur als durch seine Religion bestimmt war. Sie treffen Leute, die im Namen des Islam sprechen, aber eigentlich Kultur damit meinen.

Sind Terroristen im Land eine Bedrohung?
In den großen Städten und auch für die JemenitInnen besteht die Gefahr nicht wirklich. Es sind eher Fremde, die in den ländlichen Gebieten Ziel von Angriffen werden – entweder von Terroristen oder von Stammesleuten, die AusländerInnen kidnappen, um Geld zu erpressen oder um die Regierung unter Druck zu setzen, damit ihre Verwandten aus dem Gefängnis freigelassen werden. Die Regierung wird besonders von Rebellen im Norden (Sa’ada) und Süden (Abyan und Dhale) bedroht. In beiden Regionen wollen die Aufständischen die jemenitische Einheit zerstören und das derzeitige Regime absägen.
Oft passiert es auch, dass staatliche Sicherheitsdienste JournalistInnen und AktivistInnen unter dem Vorwand, die nationale Sicherheit schützen zu müssen, terrorisieren. So sind derzeit hunderte JemenitInnen im Gefängnis, die im Grunde für nichts angeklagt werden. Drei JournalistInnen sind illegal festgenommen wurden, weil sie sich in ihren Artikeln kritisch gegenüber dem Staat geäußert haben.


Was wäre eine adäquate Unterstützung, um etwas gegen den Terrorismus im Jemen zu unternehmen?
Internationale BeobachterInnen sind mittlerweile auch der Ansicht, dass viele Maßnahmen (zum Beispiel Ganzkörper Scanner auf Flughäfen oder militärische Angriffe) nicht wirklich zur Eindämmung von Terrorismus beitragen. Soft Power wird in den meisten Fällen gar nicht erst angedacht.

Welche Rolle können und sollen Frauen in diesem Klima der Angst spielen?
Frauen sollten gestärkt werden, damit sie Teil des Systems werden können, das die Ressourcen kontrolliert, sowohl in staatlichen Unternehmen als auch in lokalen Organisationen und ihren Familien. Frauen würden Gelder viel sorgsamer ausgeben, wenn sie für Finanzen zuständig wären; sie sind auch – wie Studien belegen – weniger korrupt als Männer. Frauen haben die Fähigkeit, ein Klima der Sicherheit in ihrer Umgebung zu schaffen, sie sind diejenigen, die Gemeinschaften zusammenhalten und sie stabiler machen. Terrorismus passiert, weil die Menschen frustriert sind. Je höher die Frustration ist, desto mehr Terrorismus wird es geben. Und Frustration entsteht aufgrund von Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Frauen sind von Natur aus gerechter.

Gibt es Frauen im Jemen, die ihre Stimme gegen gewalttätigen Extremismus erheben?
Leider nicht viele. Die meisten Aktivitäten fokussieren auf Gesundheit und Empowerment von Frauen auf einem lokalen Level, nicht so sehr auf politischer Ebene. Erst langsam entwickelt sich eine Bewegung in diese Richtung, Frauen, die fordern, dass man bei der Erziehung ansetzen muss, um junge Menschen vor Extremismus zu bewahren.


Frauen ohne Grenzen / SAVE arbeitet mit Frauen wie Nadia Al Saqqaf zusammen, um gemeinsam Strategien und Projekte gegen gewalttätigen Extremismus zu entwickeln und zu realisieren. Wenn Sie mehr dazu lesen möchten oder direkt auf das Interview reagieren möchten, besuchen Sie doch unseren Blog oder schreiben Sie eine Email an office@frauen-ohne-grenzen.org.

 
 

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