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31. März 2010

Anschläge in Russland

Ein Plädoyer für eine Politik des emotionalen Durchbruchs

Die jüngsten Anschläge in Russland, die von weiblichen Selbstmordattentätern verübt wurden, werfen für uns eine irritierende Frage auf: wie ist es möglich, dass Frauen – Menschen, die wir für zentral für den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft erachten, die wir als entscheidende Kräfte im Kampf gegen Gewalt und Aggression sehen, die Ehefrauen, Mütter und Töchter sind – die Täterinnen dieses blutigen Anschlags auf ZivilistInnen mitten in Moskau waren?

Wie reagieren wir als weibliche Anti-Terror Plattform auf diese Brutalität?

Frauen sind tatsächlich weltweit Teil militanter Handlungen. Frauen als Selbstmordattentäter sind insofern erfolgreich, das sie nicht in das Bild passen, das wir von Terroristen haben. Sie kommen leichter durch Sicherheits- und Polizeikontrollen. Ihre traditionelle Kleidung wie zum Beispiel der Ganzkörperschleier können beim Verstecken eines Bombengürtels behilflich sein.

Am meisten verstört die Tatsache, dass die russischen Attentäterinnen, die die Regierung als „Schwarze Witwen“ identifiziert hat, eine seit langem bekannte Terrorgruppe aus Tschetschenien, angeben, aus persönlichen Gründen gehandelt zu haben. Die „Schwarzen Witwen“ rächen ihre Ehemänner, Söhne, Brüder, die von Russen umgebracht wurden. Diese Frauen handeln also vordergründig nicht unmittelbar aus religiösen oder politischen Gründen, auch wenn diese bei der Ermordung ihrer Ehemänner sicherlich eine große Rolle gespielt haben. Rache soll die Folgen des hochpolitisierten Tschetschenien-Desasters auf der persönlichen Ebene kompensieren.

Genauso wie die ganz persönlichen Emotionen von Leid, Wut, Verlust und Machtlosigkeit diese Frauen dazu gebracht haben, ein derart sinnloses Verbrechen an Unschuldigen zu verüben, kann uns das Persönliche auch dazu bringen, an einer Lösung zu arbeiten.

SAVE versucht Frauen eine Plattform zu bieten, die von gewalttätigem Extremismus betroffen sind – Frauen, die Familienmitglieder oder FreundInnen bei Terrorattacken verloren haben, Frauen, die miterleben, wie Menschen in ihrer Umgebung radikalisiert werden. SAVE will Frauen stärken, um konstruktiv mit Smart Power gegen diese Gefahren in ihren lokalen Gemeinschaften aktiv werden zu können.

Unsere Fähigkeit, etwas gegen die aufkommende Welle von gewalttätigem Extremismus zu unternehmen, liegt in unserer Stärke, Frauen auf einer emotionalen und kognitiven Ebene zu erreichen und ihren Sinn für Hinterfragen, Hoffnung und den Glauben an die Menschheit anzusprechen. SAVE richtet sich an Frauen, um radikalen Kräften mit nicht-gewalttätigen Mitteln entgegen zu wirken.

Radikalisierung und gewalttätiger Extremismus können einen geopolitischen Ursprung haben, sie können aber auch aus persönlichen Emotionen wie Leid, Erniedrigung und Verzweiflung heraus entstehen. SAVE versucht auch die persönliche Ebene anzusprechen, um einen emotionalen Durchbruch und nicht einen emotionalen Zusammenbruch zu erreichen.

Strategien wie Story Telling und Aufbau von Beziehungen über kulturelle, religiöse und ethnische Trennlinien hinweg vereinen Emotionales und Kognitives.

SAVE will Frauen und ihren Familienangehörigen dabei unterstützen, Wut, Angst und Sorgen so auszudrücken, dass ihre Familien und die Zivilgesellschaft gestärkt werden.

 
 

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