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04. April 2010

Frauen als Anti-Terror Strateginnen

Von Fahmia al-Fotih´/ Jemen

Fahmia al-Fotih, unsere SAVE Jemen Koordinatorin, hat folgenden Essay über die Rolle von SAVE und die Bemühungen, gewalttätigen Extremismus zu bekämpfen, verfasst.

Ich treffe immer wieder Menschen, die der Rolle von Frauen im Kampf gegen gewalttätigen Extremismus skeptisch gegenüber stehen und die Mission von SAVE nicht nachvollziehen können: dass Frauen im Jemen aktiv gegen Terrorismus und extremistisches Denken auftreten. Viele denken zuerst daran, dass wir Frauen als Soldatinnen trainieren. Im Jemen gibt es tatsächlich eine Anti-Terrorismus Einheit, in der auch viele Frauen sind. Sie leisten einen großen Beitrag zur Überführung von Terroristen, die sich in Frauenkleidern tarnen.

Wenn ich meinen GesprächspartnerInnen dann aber genau erkläre, welchen Weg SAVE verfolgt - dass Frauen in ihren Familien und ihrer unmittelbaren Umgebung Frieden, Toleranz und eine Kultur der Gewaltfreiheit verbreiten - kann ich Erleichterung in ihren Gesichtern erkennen. Die Idee, von zu Hause aus zu agieren, entspricht der Mentalität der meisten jemenitischen Männer, die nicht gerne sehen, dass Frauen arbeiten gehen.

In Anbetracht der Tatsache, dass viele jemenitische Frauen nicht viel über Politik diskutieren und ihre Ansichten hauptsächlich von den männlichen Figuren in ihrem Leben (Väter, Ehemänner und Brüder) geprägt sind, und der Tatsache, dass die Mehrheit der Frauen Analphabetinnen sind (dadurch sind sie vom öffentlichen Leben ausgeschlossen), war ich selbst skeptisch und unsicher, ob ungebildete Frauen wirklich dazu fähig sind, über Terrorismus und Extremismus zu diskutieren und die Gefahren, die aus Terrorismus und Extremismus resultieren, zu verstehen.

Aber die Konversationen, die ich mit genau diesen Frauen führte, haben mich vom Gegenteil überzeugt!

Diese Frauen sind sich sehr wohl bewusst, dass Terrorismus eine Gefahr für uns darstellt und sie wissen auch über die Mittel Bescheid, mit denen Extremisten versuchen, Jugendliche für ihre Ideologien zu gewinnen. Sie konnten besser als alle ExpertInnen beschreiben, wie extremistische Organisationen funktionieren, was sie so attraktiv für die junge Generation macht und warum Jugendliche so oft in ihre Fallen tappen.

Es ist wohl unnötig hier zu erwähnen, dass eine Mutter im Normalfall jene Person ist, die ihren Kindern am nächsten steht und dadurch viel Einfluss auf ihre Kinder ausüben kann. Sie ist diejenige, die als Erste Warnsignale erkennen kann, wenn sich das Verhalten ihrer Kinder ändert und sie vielleicht den Weg von Extremismus und Terrorismus eingeschlagen haben. Wenn wir extremistisches Denken im Keim ersticken wollen, dann müssen wir mit diesen ungebildeten Frauen zusammen arbeiten und sie stärken.
Das öffentliche Leben ist im Jemen von Männern geprägt, aber Frauen können in ihrem unmittelbaren privaten und sozialen Umfeld eine Menge tun. Die Mehrheit der Frauen im Jemen kümmert sich um Haushalt und Kinder. Im Gegensatz zu den Vätern, die entweder emigriert sind oder viel Zeit mit ihrer Arbeit verbringen, haben Mütter mehr Zeit mit ihren Kindern und können somit auch mehr Einfluss ausüben.

Mütter brauchen mehr Unterstützung und Stärkung, um sie mit den notwendigen Fähigkeiten und dem Wissen auszustatten, das sie befähigt, extremistischen Ideologien adäquat und effektiv entgegen zu wirken.
Die Struktur der jemenitischen Gesellschaft, in der soziale Bündnisse sehr viel wert und sehr stark sind, hilft zudem, die Basis von Frieden und Toleranz über die Familie hinaus zu verbreiten. Frauen können problemlos von einem Nachbarhaus zum anderen gehen, ein Vorteil, den jemenitische Männer nicht haben (das ist zum Beispiel ein Grund, warum bei Volkszählungen meist Frauen dazu eingesetzt werden, von Tür zu Tür zu gehen und die Daten zu erheben).
Es ist ein alltägliches Bild, dass eine Gruppe von Frauen in einem Haus zusammen sitzt, Qat kaut, sich unterhält, an einem religiösen Vortrag teilnimmt, eine Hochzeit feiert oder aus einem anderen Grund gemeinsam Zeit verbringt.

Um es kurz zu fassen: Wenn Anti-Terror ExpertInnen einfach nur das Potential und die Fähigkeiten von Frauen, die effektiv für den Kampf gegen Terrorismus eingesetzt werden können, anerkennen würden, würden sie viel Geld, Zeit und Energie sparen.

Jugendliche vor Radikalisierung und Extremismus zu schützen, liegt in den Händen der Mütter.

 
 

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